Menschenhandel ist ein sogenanntes Holdelikt: In der Regel wenden sich mutmassliche Betroffene nicht selbstständig an Fachstellen wie die FIZ, um Unterstützung anzufragen. Vielmehr müssen sie als Opfer von Menschenhandel erkannt und in einem weiteren Schritt identifiziert werden. Voraussetzung dafür ist eine Vertrauensbasis, deren Aufbau häufig schwierig ist und viel Zeit erfordert. Da Betroffene von Menschenhandel oft schwer zu erkennen sind, ist ein geschultes Auge von Fachpersonen (sogenannte First Responders), die mit Betroffenen in Kontakt kommen, unerlässlich.
«Dort, wo gezielt hingeschaut wird, können Betroffene auch erkannt werden.»
Deshalb ist die Sensibilisierung und Schulung von Fachpersonen, die mit potenziellen Opfern von Menschenhandel in Kontakt kommen, essenziell, um die Betroffenen möglichst früh zu erkennen, damit sie Zugang zu ihren Rechten und zu Schutz erhalten.
Wir führen praxisorientierte
Bildungsmodule zu Menschenhandel mit verschiedenen Schwerpunkten durch, bieten Referate an und nehmen an Podiumsdiskussionen teil. Die praxisnahmen Bildungsmodule beinhalten unter anderem Vorgehensweise bei Verdacht auf Menschenhandel sowie konkrete Handlungsmöglichkeiten. Die Ausgestaltung der Bildungsveranstaltung erfolgt bedarfsorientiert und zielgruppenspezifisch.
1. Allgemeines Basismodul Menschenhandel
Dieses Modul richtet sich an erster Stelle an neue Mitarbeitende von Fachstellen, die mit uns zusammenarbeiten und/oder potenziell zuweisende Stellen (sogenannte First Responders) sind. Ferner ist das Basismodul auch offen für Personen, die sich für das Thema Menschenhandel interessieren, aber bis jetzt nur wenig Kenntnisse haben.
Wir vermitteln Grundkenntnisse zum Thema Menschenhandel, dazu gehören: rechtliche Grundlagen, Ursachen, Macht- und Kontrollmechanismen bei Menschenhandel sowie statistische Daten. Wir stellen das FIZ Opferschutzprogramm sowie unsere Unterstützungsangebote vor. Wir besprechen gemeinsam Fallbeispiele und zeigen Vorgehensweise bei Verdacht auf Menschenhandel auf.
Das allgemeine Basismodul Menschenhandel ist kostenlos und findet vier Mal jährlich bei uns in der FIZ statt (Hohlstrasse 511 in Zürich). Hier die Daten für 2026:
20.02.2026, Freitag, 9.00-12.00 Uhr
22.05.2026, Freitag, 9.00-12.00 Uhr
25.08.2026, Dienstag, 9.00-12.00 Uhr
23.11.2026, Montag, 9.00-12.00 Uhr
Bitte melden Sie sich unter:
contact@fiz-info.ch an.
Bei Fragen zum allgemeinen Basismodul melden Sie sich bitte bei der Verantwortlichen für Bildungsarbeit:
Myrsini.Arvanitis@fiz-info.ch
2. Massgeschneidertes Bildungsmodul mit unterschiedlichen Schwerpunkten
Je nach Fachstelle kann ein Bildungsmodul mit unterschiedlichen Schwerpunkten gewählt werden. Gerne entwickeln wir gemeinsam mit Ihnen ein Bildungsmodul, das gezielt auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.
Ziel ist es, anhand von Beispielen aus der jeweiligen Praxisrealität aufzuzeigen, wie Verdachtsmomenten im Arbeitsalltag erkannt werden können, welche Vorgehensweise bei einem Verdacht auf Menschenhandel empfohlen wird und welche konkreten Handlungsmöglichkeiten bestehen.
Es besteht die Möglichkeit, offene Fragen zu besprechen und Praxiserfahrungen auszutauschen. Je mehr Informationen wir über den Arbeitsalltag Ihrer Fachstelle erhalten, desto gezielter können wir das Bildungsmodul auf Ihre Bedürfnisse abstimmen.
Mögliche Schwerpunkte (Liste nicht abschliessend):
- Situation von Betroffenen von Menschenhandel im Strafverfahren gegen die Täterschaft
- Unterstützung von Betroffenen von Menschenhandel bei der Rückkehr (Rückkehrhilfe)
- Betroffene von Menschenhandel im Asylsystem
- Menschenhandel zwecks Ausbeutung der Arbeitskraft
- Spezifische Rechte von Betroffenen von Menschenhandel
- Betroffene von Menschenhandel im Gesundheitswesen
- Emotionale Abhängigkeit von der Täterschaft
- Zwang zu illegalen Tätigkeiten (Non-Punishment Prinzip)
- Und weitere Themenblöcke
Bei Anfragen zum Bildungsangebot und den verschiedenen Modulen melden Sie sich bitte bei der Verantwortlichen für Bildungsarbeit:
Myrsini.Arvanitis@fiz-info.ch
3. Bildungsmodul «Betroffene von Menschenhandel im Asylbereich»
Was geschieht mit Betroffenen von Menschenhandel, die sich im Schweizer Asylwesen befinden und dringend auf spezialisierte Unterstützung und Schutz angewiesen sind? Im Asylbereich ist der Zugang zu spezialisiertem Opferschutz stark eingeschränkt. Werden Menschen ausserhalb der Schweiz, z.B. auf der Flucht oder in einem Dublin-Land ausgebeutet, ist ihnen der Zugang zu den Leistungen der Opferhilfe aufgrund der aktuellen Rechtslage verwehrt oder mit sehr hohen Hürden verbunden.
In diesem Zusammenhang bieten wir in Kooperation mit der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) am
11. November 2026, von 14.00-17.00 Uhr ein Bildungsmodul für Fachpersonen im Asylwesen an. Die Schulung findet in
Olten statt.
Bei Interesse bitten wir Sie sich über diesen
Link anzumelden.
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Falls Sie trotz vielfältiger Unterlagen offene Fragen haben, können Sie gerne in eine offene Sprechstunde kommen. Sie finden zehn Mal pro Jahr statt und finden in der Regel von 14.00 bis 16.00 Uhr bei uns in FIZ (Hohlstrasse 511 in Zürich) statt. Während der Sprechstunde haben Sie und andere Teilnehmer*innen die Möglichkeit Interviews im Rahmen der Sprechstunde zu führen. Falls Sie ihre Fragen bereits im Voraus verschriftlicht haben, können Sie uns diese ebenfalls gerne zuschicken, das erleichtert uns die Vorbereitung für die Sprechstunde. Hier die Daten für die Sprechstunden 2026:
Wir arbeiten in nationalen, kantonalen und kommunalen Gremien und in Arbeitsgruppen des Bundes mit und leiten den kantonalen runden Tisch gegen Menschenhandel in Zürich.
In vielen Kantonen bestehen Kooperationsgremien gegen Menschenhandel. Den ersten «runden Tisch» gründete die FIZ im Jahre 2001 in Zürich. Dadurch ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Polizei, untersuchenden Behörden, Migrationsämtern, der Opferhilfe und der FIZ gewachsen. Auch andere Akteur*innen beteiligen sich an diesen Prozessen: Beratungsstellen für Sexarbeitende, Gleichstellungsbüros, Geschädigten- und Rechtsvertreter*innen und Rechtsänwält*innen sind ebenfalls in den Gremien vertreten.
Gemeinsames Ziel ist es, den Opferschutz zu verbessern und die Täterschaft vermehrt zur Verantwortung zu ziehen. Als Folge dieser runden Tische wurde die FIZ von diversen Kantonen mandatiert, die spezialisierte Betreuung und Begleitung der Betroffenen von Menschenhandel zu leisten. Es sind die Kantone Aargau, Basel Stadt, Basel Landschaft, Bern, Freiburg, Luzern, Schwyz, Solothurn, Thurgau und Zürich.
Wir sind aktives Mitglied in den folgenden internationalen und nationalen zivilgesellschaftlichen Netzwerken gegen Menschenhandel:
In den Bereichen Menschenhandel und Sexarbeit informieren wir Politiker*innen über aktuelle Entwicklungen und stehen Medienschaffenden für Interviews und Gespräche zur Verfügung.
Die FIZ schreibt Vernehmlassungen zu Schweizer Gesetzesvorschlägen und behördlichen Berichten. Zudem nehmen wir Stellung zu internationalen Monitoringprozessen in den Bereichen Menschenhandel und Menschenrechte.